WABI-SABI ORCHESTRA "PAPER CLIPS" PRESSESPIEGEL

 

MELODIVA - CD NEWS Mai 2014

LAURA WINKLER & WABI-SABI ORCHESTRA – „Paper Clips” 

„Paper Clips“ ist das Debüt der Grazer Musikerin Laura Winkler und ihrem zwölfköpfigen Orchester (inklusive Chor) „Wabi-Sabi“, was aber nichts mit dem japanischen Meerrettich zu tun hat, sondern vielmehr japanisch ist und mit „die Schönheit im Schlichten“ übersetzt werden kann. Der Ausgangspunkt ihres Werkes war eine Masterarbeit, die sie bei dem amerikanischen Schlagzeuger John Hollenbeck geschrieben hat und in der sie sich vornahm, vom klassischen Bigband-Konzept weg, hin zu neuen Begegnungsmöglichkeiten innerhalb einer großen Gruppe zu kommen. Das Ergebnis sind abgefahrene, spannende Episoden, in denen man nie weiß, was als Nächstes kommt; mal kammermusikalisch, dann auf die Stimmen fokussiert, mal rückt die eine Gruppe, dann wieder die andere in den Vordergrund, ohne eine/m ganz das Feld zu überlassen. Soli im klassischen Sinn sucht man wohltuend vergeblich. Winkler hat sich in ihren Kompositionen von dem japanischen Bestseller-Autor (und Jazzfan) Haruki Murakami inspirieren lassen und leiht seine Lyrics in den genialen, fast schon musical-artigen A Cappella-Stücken „Dance I“ und „Dance II“ und im furiosen „Sandstorm“. Die Frau traut sich was und wird belohnt – ihren Abschluss an der Universität der Künste Berlin machte sie mit Auszeichnung, ihr Lehrer Greg Cohen sieht sie bereits als Nachfolgerin von Gil Evans, John Zorn und Frank Zappa.

 

aboutjazz.de, 15.04.2014

Fragen Sie sich auch immer, ob das schon dazugehört, wenn das Orchester sich kurz vor Konzerten aufwärmt und die Instrumente stimmt – gerade wenn Modernes auf dem Programm steht? Auch Laura Winkler und das Wabi-Sabi Orchestra beginnen mit so einer scheinbar ungeordneten Klangcollage ihre „Paper Clips“. Eventuelle Irritationen lösen sie jedoch schnell auf. Was auf der CD – ihrer ersten mit den jungen deutschen Musikern – zu hören ist, überrascht. Gewöhnungsbedürftig, weil manchmal dissonant und ungewohnt, vielschichtig, kantig-eigen.
Mit ihrer klaren Stimme reiht sich Winkler nahtlos ein in die Fülle der Instrumente. Haruki Murakamis Texte finden bedeutungsvoll Raum in diesem Geflecht – in Zeilen, ganzen Zitaten oder als Inspiration. Es ist, als rückten die Worte mit jedem Ton näher heran: das Lachen, die Geschichten von himmelhohen Häusern und kalten Stahlbauten oder das Zirpen, Kreischen, Jaulen der Kreaturen, das selbst in Großstädten nicht untergeht. Irgendwann meint man zu hören, wie ein melancholischer Clown verloren und fröstelnd durch den Straßendschungel tänzelt, wie wilde Tiere lachend aus bröckelnden Kellerhöhlen hervorkriechen oder flirrend ein Ufo abhebt. Eindrucksvoll und modern klingt das, an vielen Stellen auch fremd – und doch nicht fremd.
Von einem „Wimmelbild“ spricht der Pressetext zur CD. Das soll die Vielzahl der möglichen Entdeckungen andeuten, die emotionale musikalische Erkundungen ermöglichen, wie man sie nach den ersten Klängen nicht vermuten mochte. Ermöglicht wird das auch durch die Präzision im Zusammenspiel der 12 exzellenten Musiker aus der Berliner Szene. Wabi-Sabi übrigens bedeutet im Japanischen „Schönheit im Schlichten“. Laura Winklers Musiker geben diesem Ausdruck eine eine neue Klangfarbe, eine besondere Facette.
Ungewöhnliche Farben und Höreindrücke entwirft die Musikerin und Komponistin Laura Winkler auf diesem Album – von eigenwillig, anregend, markant bis aufwühlend und brüskierend, leicht brüchig oder auch mild-wehklagend. Das letzte Stück der CD beginnt mit einem Wettlauf: Auf die Plätze, fertig, los! Ganz sicher ist dies das Versprechen, in Kürze weitere, bisher nie gehörte Klangbilder für ein neues Album zu sammeln

Originalartikel

 

Sound & Image, 11.04.2014

Laura Winkler + Wabi-Sabi Orchestra - Paper Clips

Es ist schon sehr bemerkenswert, mit welch hoher Schlagzahl das Berliner Traumton-Label immer neue Produktionen publiziert und sich so ganz nebenbei als unverzichtbare Plattform für neue, experimentierfreudige Künstler zwischen Jazz und Pop erweist. Die neueste Errungenschaft im breiten Traumton-Roster heißt Laura Winkler, eine österreicherische Sängerin und Komponistin, die in der Berliner Szene offensichtlich das gefunden hat, wonach sie schon länger auf der Suche war: eine Horde kompetenter Mitstreiter und einen verständnisvollen Förderer. Letzterer ist der amerikanische Drummer und Wahl­berliner John Hollenbeck und erstere elf junge, teils aber auch schon etablierte internationale Musiker, die das farbenfroh umsetzen, was sich die Grazerin über Jahre aus dem Gehirn gepresst hat. Und das ist im wahrsten Sinne große Musik. Denn was sie geschrieben bzw. komponiert hat, kann nur von einer Großformation, sprich ihrem Wabi-Sabi-Orchestra, umgesetzt werden. Hauptinspiration und Ausgangspunkt waren Texte des japanischen Autors Haruki Murakami, die allesamt in englischer Sprache zum Vortrag kommen, begleitet von u.a Blechbläsern, Vibraphon, Geigen, Keyboards, Drums und Chor. Das gesungene Wort klingt zwar des öfteren etwas gestelzt und theatralisch überdehnt, aber als Gesamtkunstwerk kann das elfteilige „Paper Clips” durch seine kaleidoscopische Vielfalt dennoch überzeugen. Es wurde viel getüftelt und gebastelt, kein Stück gleicht dem anderen, die Stimmungsbilder wechseln wie herbstliche Sturmwolken. „Paper Clips” ist eine Herausforderung für den Zuhörer. Aber wer ein gelenkiges Ohr für ungewöhnliche Klänge hat, wird an diesem Album seine helle Freude haben.

ORIGINALARTIKEL

musikansich.de

Laura Winkler ist eine aus Österreich stammende und in Berlin lebende Jazzsängerin und Komponistin, die mit ihrer Bigband, dem Wabi-Sabi Orchestra (benannt nach dem japanischen Konzept der Wahrnehmung von Schönheit bzw. die Schönheit im Schlichten) ein spannendes Album eingespielt hat. Paper Clips nennt sich das Werk, das fast schon einen oratorischen Charakter besitzt und bei Traumton Records erscheint.

Wirklich einfach ist die Musik nicht, die aus den Lautsprechern ertönt. Ein spröder Charme umgibt vor allem die Gesangsmelodien gleich zu Beginn, dem man sich aber nach und nach nicht mehr entziehen kann. Spätestens wenn dann ausgefeilte a capella Gesangsarrangements wie in "Dance I" und "Dance II" erklingen, ist man ganz gefangen von der kammermusikalischen Ausarbeitung der Musik. Auf höchstem Niveau bewegen sich die Musiker, die sich auch vor experimentellen Tönen nicht scheuen und so der Musik eine ganz tiefe Dimension verleihen. Und so verwischen auch die Grenzen zwischen Jazz und Avantgarde. Das kann man kaum mit anderen Künstlern vergleichen. Entfernte Ähnlichkeit ist zum Beispiel mit "Chamber Music" von Louis Sclavis vorhanden.

Inspiriert von Texten des japanischen Romanautors Haruki Murakami ist es Laura Winkler gelungen, ein ambitioniertes Werk für Big Band zu konzipieren, zu schreiben und umzusetzen, das bestens auskomponiert ist und von großartigen Musikern und SängerInnen lebt, allen voran Laura Winkler selbst. Keine Musik um kurz mal nebenbei gehört zu werden sondern eine sehr intensive Hörerfahrung die nach verstörendem Beginn in faszinierende Schönheit hinübergleitet, der man nicht mehr entrinnen kann. Ein kleines Meisterwerk! (Ingo Andruschkewitsch)

Originalartikel

 

Wondering Sound

Laura Winkler & Wabi Sabi Orchestra, Paper Clips: Unusual but compelling release from vocalist Winkler, backed by the Wabi Sabi Orchestra on a project that derives its inspiration from the works of novelist Haruki Murakami. The large ensemble sound goes more for haunting tones than bombast, incisive articulation over fat harmonies. Winkler’s delivery verges on operatic at times, Bjork-ian at others. It’s the kind of music that can take a bit to acclimate to, but once that connection is made, it’s not likely to fade.

 (Originalartikel)

 

musicaustria.at, 02.04.2014

Laura Winkler & Wabi-Sabi Orchestra - Paper Clips

Dass es die aus Graz stammende Sängerin und Komponistin Laura Winkler ganz vortrefflich versteht, Musik mit ganz eigenem farblichen Anstrich auf den Weg zu bringen, davon konnte man sich bereits im vergangenen Jahr bei "Have you seen the troll?", dem Debüt ihrer Band Holler My Dear, überzeugen. Gemeinsam mit dem Wabi-Sabi Orchestra geht Laura Winkler auf der nun erscheinenden CD „Paper Clips“ (Traumton Records) nun einen, wenn nicht sogar gleich mehrere Schritte weiter. Pflegt die aktuell in Berlin lebende Sängerin mit ihrer Hauptband doch eher einen filigran-eleganten akustischen Jazz-Liedermacher-Sound, so wendet sie sich in den Kompositionen ihres neuen Projekts einer doch deutlich größeren, ambitionierteren und vor allem vielschichtigeren Klangästethik zu. Es ist der facettenreiche Versuch einer Eigendefinition der klassischen Jazzorchester-Orchester-Musik, den sie unternimmt und den sie mit ihrem Ensemble auch wirklich mit Bravour umzusetzen weiß. Präsentiert wird "Paper Clips" am 7. April im Österreichischen Kulturforum in Berlin.

Eines vorweg, mit dem herkömmlichen traditionellen Big-Band-Sound hat das, was Laura Winkler und das Wabi-Sabi Orchester auf ihrem Album zu Gehör bringen, recht wenig bis gar nichts zu tun, denn anders als es in diesem musikalischen Kontext überlicherweise der Fall ist, beschränken sich die Sängerin und ihre KollegInnen keineswegs nur ausschließlich auf die Ausdrucksformen des Jazz. Sie erweitern ihre Klangsprache und lassen bewusst auch Elemente anderer Stile und Spielformen in diese miteinfließen, wobei besonders die Hinzunahme von einer Geige und Viola und der vollkommene Verzicht auf eine Bläsersektion zu erwähnen wäre, die dem Gesamten letztlich einen deutlich kammermusikalischen und vor allem sehr lyrischen und dezent-zurückhaltenden Touch verleihen. 

Dieser Ansatz ist es auch, der der sanften, aber ausdrucksstarken Stimme Winklers allen Raum bietet, voll zur Entfaltung kommen zu können. Die gebürtige Stiererin, die sich beim Verfassen ihrer Texte von dem japanischen Romanautor Haruki Murakami und seinem Umgang mit Worten und Sprache hat inspirieren lassen, zeigt sich als eine Vokalisten, der es wirklich in eindringlicher und abwechslungsreicher Form gelingt, das vielschichtige, an Nuancen reiche und von zurückhaltend bis episch reichende Ganze auf eine musikalische sehr lyrische Ebene zu heben. Laura Winkler verleiht den Stücken Tiefe, Gefühl und Grazie, ohne dabei sich aber wirklich in den Vordergrund zu spielen bzw. zu singen. Denn was vor allem in den Vordergrund gerückt wird, ist der jeder gekünstelten Kopflastigkeit widerstehende Gesamtklang, dem sich alle Beteiligten bewusst unterordnen.
 
Laura Winklers Interpretation des großformatigen Jazz ist eine, an der nicht nur ausgewiesene des Genres ihre Freude finden dürften. Die Sängerin und Komponistin überschreitet gemeinsam mit dem Wabi-Sabi Orchestra viele musikalische Grenzen und legt damit auch Brücken hin zu einer Hörerschaft, die sonst weniger mit diesem Stil zu haben. (mt)

 Originalartikel

 

 Falter 12/14  

(...) "Wesentlich ambitionierter ist das vom japanischen Autor Haruki Mu­rakami inspirierte Album „Paper Clips” (Traumton), das die in Berlin lebende Grazerin Laura Winkler mit ihrem zwölfköpfigen Wabi-Sabi Orchestra eingespielt hat, das eher wie ein Kammermusikensemble, denn als klassische Bigband und generell recht abwechslungsreich eingesetzt wird. Winkler setzt ihre Stimme instrumentell oder rezitierend ein, nutzt weitere Vokalisten um pulsierende und glissandierende Minidramen von einigem Witz zusammenzubasteln („Dance I”) oder flirrende Klangräume zu erzeugen. Auf der zweiten, stärker in Richtung freie Improvisation gehenden Albumhälfte lässt die Spannung etwas nach, was nichts am positiven Gesamteindruck ändert. Man wird die Frau also im Auge bzw. im Ohr behalten müssen." klaus nüchtern            

Jazzpodium, Thorsten Hingst, 2014  

„Nein, mit dem japanischen Wassermeerrettich hat die neu gegründete Großformation der in Berlin lebenden Österreichischen Sängerin Laura Winkler natürlich nichts zu tun. Vielmehr geht der ähnlich klingende Name auf ein eng mit dem Zen-Buddhismus verbundenes ästhetisches japanisches Konzept zurück, das nicht die sichtbare, die offenkundige Schönheit als die vollkommenste versteht, sondern eher die im Verborgenen liegende. Der Bandname ist bei diesem Projekt nicht der einzige Bezugspunkt zum Land der aufgehenden Sonne. Alle Kompositionen wurden vom Werk des japanischen Dauerliteraturnobelpreisanwärters Haruki Murakami inspiriert, der, diese kleine aber feine Fußnote sei hier gesetzt, ein überaus kenntnisreicher Jazzfan ist und in Tokio bis 1982 mit dem "Peter Cat" sogar einen eigenen Jazzclub betrieb.Ausgangspunkt von "Paper Clips" war die von John Hollenbeck betreute Masterarbeit von Laura Winkler an der Universität der Künste Berlin (Abschluss mit Auszeichnung). Aus Berlins wuseliger und hyperaktiver Szene rekrutierte die Sängerin auch ihre 12-köpfige Großformation, die die wundersam leichtfüßig anmutenden Orchestrierungen brillant in kaleidoskopische Klanginstallationen zu übersetzen versteht. Bei dieser Musik scheint nichts so zu sein, nichts so zu bleiben, wie man es zunächst zu hören meinte. Vexierbildhaftes wechselt sich mit Strukturellem ab, evozierte Stimmungsbilder verschwimmen und verflüchtigen sich urplötzlich am Horizont und lösen sich am Ende in ein kurzzeitiges berauschendes Nichts auf, aus dem sich neue Möglichkeiten und Sichtweisen ergeben. Grandios gelungen der vokale Mittelblock des Albums, der, basierend auf Zitaten aus dem Roman "Tanz mit dem Schafsmann" des adorierten Autors, mit einem wahren Feuerwerk in sich verschränkter, sich umtanzender Vokallinien überrascht. My oh my / Oh I breathe the air of change / it is so well arranged / hardly visible / makes me so confused dichtet Laura Winkler im von Murakamis IQ84 inspirierten "Two moons", als könnte sie das stupende Ergebnis ihrer Kompositionen selbst kaum fassen. Kann ein Album aufregender sein als dieses, das seine Geheimnisse auch nach dem x-ten Mal des intensiven Hörens noch nicht preisgibt und das gleichzeitig so voll überbordender Ausgelassenheit und Lebendigkeit ist?“

 

Concerto 2/2014

Laura Winkler & Wabi-Sabi Orchestra - Paperclips

Als Aushängeschild Österreichs in Berlin entpuppt sich die Steirerin Laura Winkler: Erst in der Februar-Ausgabe berichtete CONCERTO über ihre Kleinformation Holler My dear, nun legt Winkler das Debüt ihres aus einer Masterarbeit bei John Hollenbeck hervorgegangenen Wabi-Sabi Orchestra vor. Und was für ein Debüt! Das 12-köpfige Ensemble interpretiert ausschließlich Musik der Sängerin/Komponistin/Textertin, wobei jedes der 11 Stücke seinen individuellen Klangcharakter und Aufbau besitzt. Mutig schlichtet Laura Winkler über- und ineinander, verwendet die Stimme oft als Instrument, lässt mit einem morgenfrischen Frauenchor aufhorchen, verwebt geschickt Streicher, Holz- und Blechbläser mit einer erweiterten Ryhthmusgruppe, lässt Stimmungen wie in Fenstern eines vorbeifahrenden Zuges aufblitzen und vergisst trotz aller Klangschwelgerei nicht auf den großen musikalischen Bogen. Inspiration holt sie sich vom japanischen Schriftsteller Haruki Murakami, dessen Texte Ausgangs- und Endpunkt ihrer Kompositionen darstellen. Und was heißt jetzt „Wabi-Sabi“? „Die Schönheit im Schlichten“. Genau. (Martin Schuster)


Spiegel.de 23.03.2014

„(...)Mutig gegen den Trend agiert auch Laura Winkler. Die in Berlin lebende Sängerin und Komponistin verbindet die zeitgenössischen Möglichkeiten von Stimme und Jazz-Orchester. Eine zwölfköpfige Band und ein Chor bilden den Background zu ihren Gesängen und Rezitationen von Texten des japanischen Autors Haruki Murakami. Winklers Werk ist mehr Neue Musik als Jazz. Der Bandname Wabi-Sabi bedeutet im Japanischen "die Schönheit im Schlichten". Hans Hielscher

 Originalartikel

 

Jazzthetik,  Franz X.A. Zipperer, 3/2014

 LAURA WINKLER & Wabi-Sabi Orchestra

 Nicht einfach eine weitere Big Band

Wenn hier von einem Orchester die Rede ist, dann wird dieses Versprechen auch eingelöst. Insgesamt 19 Künstler stehen hier auf der Matte des Aufnahmestudios. Aber was ist eigentlich Wabi-Sabi? Das ist Japanisch. Wabi-Sabi beschreibt ein ästhetisches Konzept, das die Schönheit des Unperfekten, Vergänglichen, Unauffälligen oder auch des Schlichten feiert. Und auf die Suche nach genau all dem hat sich Laura Winkler mit ihren zahlreichen Mitmusikern gemacht.

.. Es geht bei meinem Ansatz des Ausdrucks nie darum, den vielen musikalischen Großformationen eine weitere hinzuzufügen", lässt die in Berlin lebende Österreichische Sängerin LauraWinkler von Beginn an keinen Interpretationsspielraum . "Doch bloß, weil es so viele davon gibt, ist noch lange nicht alles gesagt worden." Schaut man sich die Besetzungsliste im Hinblick auf die Instrumente an, biegt die nächste Überraschung um die Ecke. Sieben Sängerinnen - mit LauraWinkler, von der auch alle Kompositionen stammen, sogar acht - scharen sich um eine männliche Stimme. Neben viel Gebläse stehen mit Geige und Bratsche auch zwei Streichinstrumente im Aufgebot. Ansonsten laufen noch Gitarre, Vibrafon, Piano und Keyboards, Schlagzeug und Bass auf. An der Front steht mit Andreas Semlitsch noch ein Dirigent. Was aber ist bei dieser Konstellation das Anliegen von Laura Winkler? "Ich wollte ganz konkret nach neuen Farben und Kombinationsmöglichkeiten für eine große Gruppe suchen", sagt sie. "ich will dabei weniger den möglichen kontinuierlichen Gesamtklang des Ensembles erforschen als vielmehr die nahezu grenzenlosen Begegnungsmöglichkeiten, die sich aus dieser Grundkonstellation ergeben, so weitwie möglich treiben ." So hat Laura Winkler praktisch für jedes der Stücke eine neue, farbenfrohe Struktur und Klangkombination erfunden und damit kompromisslos ihre eigene Orchesterweit geformt.

Die Inszenierung dieser Begegnungen könnte mannigfacher nicht sein. Innerhalb der wahren Kabinettstückehen finden unterschiedlichste musikalische Begebenheiten statt und manifestieren jeweils andere ästhetische Ansprüche. Diese Ereignisse werden von immer neuen Musikerkonstellationen ins Rollen gebracht. Das musikalische Spektrum ist so breit wie das Flussdelta des Nil und changiert zwischen wunderschön getragenen Passagen und rhythmisch explosiven Tonläufen. ",ch will Unbekanntes hören und zusammenfügen", stellt Laura Winkler klar, .,und mich dabei immer wieder selbst überraschen. Und die Mitspieler genauso. Aber vor der Reaktion auf die Überraschung liegt etwas anderes, nämlich die große Kunst des Zuhörens." Manch eines der Lieder startet von einem Buchstaben aus, sammelt weitere auf und bildet ein Wort. Lässt einen Satz folgen. Die Sätze summieren sich so lange zu Kapiteln, bis der Schlusspunkt eines Buchs gesetzt werden kann. Andere Stücke sind weniger klar, sie klingen, als würden die einzelnen Buchstaben in einem Würfelbecher geschüttelt und dann ausgewürfelt Der Zufall regiert. Nicht ganz, denn die zu Beginn im Würfelbecher befindlichen Buchstaben entspringen einer Auswahl. Doch nie bleibt ein Buchstabe allein, Soli im klassischen Sinn gibt es nicht. Alle Stimmen, die instrumentalen und die vokalen, verdichten sich mehr und mehr zu einem stets in Bewegung befindlichen Wimmelbild. Doch der Hörer wird so weit mit einbezogen, dass eine Chance zum Verweilen oder zum Nachvollzug besteht.

Der Bandname ist nicht der einzige Japan-Bezug des Projektes . .,Die Kompositionen sind zum Teil vom japanischen Autor Haruki Murakami inspiriert", sagt Laura Winkler. .,Den Stücken ,Dance 1', ,Dance II' und ,Sandstorm' liegen unmittelbar Texte von ihm zugrunde." Im Zusammenhang mit Murakamis Texten tauchen immer wieder die Begriffe Erschütterung, Verwirrung, Glück, Trauer, Verstörung und Sinnlichkeit auf. Laura Winkler spürt dem mit musikalischen Mitteln nach . .,Für mich adäquate Klänge entstanden daraus, dass ich seine Texte bis auf die Einzelbausteine, die Buchstaben, dekonstruierte und ihrem Klang lauschte, den Haruki Murakami jedem seiner Buchstaben bereits mit auf den Weg gegeben hatte", nimmt Laura Winkler den Gesprächsfaden wieder auf. Pure, in Klang gegossene Emotion ist das Ergebnis.

Laura Winklers Klangkosmos, so eigenständig er auch ist, ruft deutliche Erinnerungen an die Orchesterarbeit von Frank Zappa wach. Besonders an Orchestral Favorites, sein 1975 aufgenommenes, fünf Orchesterstücke umfassendes Album. Wie Zappa durchmischt auch Laura Winkler Episches mit Spartanischem. Wobei ihr neuer kreativer Ansatz den Akzent mehr auf die musikalische Einfachheit, die Aussparung und Bescheidenheit legt. Womit sich der Kreis zum Anfang schließt, denn: Was ist noch mal die Bedeutung von Wabi-Sabi?

 Jazzthetik,  Franz X.A. Zipperer, 3/2014

 

 

aura:L sculptures PRESSESPIEGEL

 

„Laura Winkler und ihre wunderbare Band sind weit mehr als die Summe der einzelnen Musiker: Ein Kollektiv, welches mühelos die Grenzen zwischen Jazz und Pop, zwischen Improvisation und Song nicht nur überwindet, sondern damit spielt, virtuos umgeht. Dass alle ihr Handwerk perfekt beherrschen, ist die Grundlage für müheloses Abheben und spontane Interaktionen, die sich jedoch nie verselbständigen, sondern in einem wohlüberlegten dramaturgischen Kontext stehen. Ein Versprechen für die Zukunft, kompositorisch, stimmlich und als Band. Bitte mehr davon!“

(Christian Muthspiel)

 

Die Reise hat begonnen:
Viel versprechende Debüt-Töne von Laura Winkler

Den Weg kennst du noch nicht, / doch schwebst schon im Fahrtwind, der dich / mitgenommen hat auf die Reise, / hast den Kopf noch voll Morgentau.“

So singt Laura Winkler in „Travelling Light“. Wohin der Weg sie führen wird, ist ungewiss. Vielleicht auch unwesentlich. Wichtig ist: Die Reise hat begonnen, und Winkler erweist sich im Zuge ihrer ersten Schritte auf eigenem musikalischem Terrain über weite Strecken als verblüffend trittsicher. Das hier ist keine junge Sängerin, die sich damit begnügt, ein sauberes Gesellinnenstück zu verfertigen, in dessen Rahmen eifrig das Gelernte demonstriert wird. „Umami“ geht darüber weit hinaus: Winkler lässt ihre musikalischen Ausdrucksbedürfnisse eigene Formgestalt annehmen, statt tradierte, musikalische Grundrisse aus- und aufzufüllen. Tatsächlich scheinen sich in ihr drei Talente zu vereinen: Zum einen das der intonationssicheren Sängerin. Zum anderen das der substanzbewussten Poetin, der es tatsächlich gelingt, persönliche Aussage in deutsche wie englische Wortfindungen zu legen. Schließlich – vielleicht am höchsten zu bewerten – das der mit sicherer Hand agierenden Komponistin, die ihre Musik in detailfreudig ausgestaltete, überraschungsreiche und doch organisch fließende Choreografien einfasst. Laura Winkler demonstriert in ihrem ersten und doch schon reifen Werk Essenzielles: eigene musikalische Handschrift. Man sollte sorgsam beobachten, was der Fahrtwind dieser begabten jungen Frau noch alles zuflüstern wird...
(Andreas Felber)

 

Eine besonnene Jazzsängerin mit spielerisch sicherer Feder
Über die Hörskulpturen von Laura Winkler

 
Der Doppelpunkt macht´s aus. Immerhin war Laura Winkler noch nicht einmal auf der Welt, als The Stranglers ihr Hitalbum „Aural Sculpture" in die Charts lancierten. Nun hat die Musik der 22-jährigen Jazzsängerin nicht zwingend etwas gemein mit den englischen Rock-Haudegen, doch konnte die junge Dame mit dem sonnigen Antlitz Gefallen an einem Titel finden, indem sich ihr Name genauso verbirgt wie jene Skulpturen, von denen sie „auf der großen Spielwiese der Jazzwerkstatt Graz zu träumen begonnen hat". Diese Träume hat die introvertierte Musikerin in Kompositionen umgesetzt, die vor allem durch juvenile Lebendigkeit und eine Herzhaftigkeit überzeugen, die selbst noch in melancholischen Phasen nichts an ihrer spielerischer Schwerelosigkeit verlieren. Sicher intoniert mit einer Stimme, die man leicht wie eine Feder beschreiben könnte, und deren mädchenhafter Charme die Hoffnung nährt, dass hier auch ein charakterhaftes Timbre wächst.
 
Mit einem pointiert gesetzten Doppelpunkt also gründete Winkler im Jahr 2008 ihr Quintett „aural:L sculptures", mit dem sie im Vorjahr ihre ausgeprägten, durchaus distinguierten Kompositionen für ihre erste CD mit dem Titel „umami" eingespielt hat. Umgeben ist Laura Winkler dabei von geradezu seelenverwandten Musikern aus dem Lager der Jazzwerkstatt Graz, die den ihnen gebotenen Raum für Improvisationen geschickt für die Ausformung einer charakteristischen Beziehung von Thematik und Bandsound nutzen.

Freilich kommt dem Begriff „Aura" in all der Wortspielerei so etwas wie eine Schlüsselstellung zu. Geht es der geborenen Krieglacherin mit dem nordischen Stimmungsbarometer doch auch darum, die Tragfähigkeit ihrer oft poetischen Texte, die sie - für das Genre doch ungewöhnlich - auch in deutscher Sprache singt, an neuen Sounds zu erproben, mithin die lyrische Ader weit zu öffnen. Dabei zeigt sich Winkler, die heuer ihr Studium für Jazzgesang an der Kunstuniversität Graz bei Dena DeRose abgeschlossen hat, vornehmlich dem Songformat zugetan. Was auch durchaus einem gewissen Zeitgeist entspricht.

In muntere Arrangements gekleidet ergibt das frischen, zeitgenössischen Jazz, der zwar von Popmusik beeinflusst sein mag, dem es aber nicht an der nötigen Sophistication gebricht. Vor allem in den spontanen Interaktionen, die an idiomatischer Bodenhaftung und dramaturgisch schlüssigen Bögen ihresgleichen suchen, hält Komplexität die Spannung. Ihrem Drang nach einer persönlichen Aussage, ja einem profunden persönlichen Gesamtausdruck mag noch einiges an Unabgeklärtheit anhaften. Diese kann man einerseits als sympathisch, andererseits aber auch als latente, vielversprechende Perspektive einer undogmatischen Musikerin willkommen heißen. Zumal ihre Stärken auch nicht im feurigen Temperament, sondern in ihrer mitteilsamen Besonnenheit zu liegen scheinen, einer Besonnenheit, der organisch gewachsene musikalische Prozesse immanent sind. Doch Laura Winkler ist kein Kind von Traurigkeit, und so evozieren komplexere Themen oft genug auch allerhand groovige Strecken und spritzigen Ensemblegeist, die dem japanischen Namen ihrer CD reichlich Ehre machen: einfach herzhaft.

Als engagiertes Mitglied der rührigen Jazzwerkstatt Graz und der im kausalen Zusammenhang dazu stehenden Konzertreihe Fat Tuesday ist Laura Winkler nebenbei auch zu einer tragenden Figur der Basisarbeit in der jungen Grazer Jazzszene geworden. Dementsprechend oft ist ihr strahlendes Lächeln überall dort zu sehen, wo sich in der Regel die Gagen noch unter dem Wert idealistisch musikalischer Konfrontationslust und jenem experimentierfreudigen Tatendrang bewegen, den die Jazzpolizei gewähren lässt. Das soll ein Kompliment sein.
Nicht zuletzt gehört die junge Steirerin als Mitglied der einzigartig spontanen Gruppe Musicact einer weiteren Filiale dieses jungen Musikerpools um Leute wie Siegmar Brecher oder Stefan Heckel an. Dieser illustre Haufen aus Impro-Theaterschauspielern und Jazzmusikern scheint der stets evidenten Spielfreude von Laura Winkler besonders gelegen zu kommen.

(Otmar Klammer)
Originalartikel